BAD ALCHEMY

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Leo präsentiert mit Happening (LR 451/452, 2xCD) den Alto & Sopranosaxophonisten FRANÇOIS CARRIER aus Québec. Sein kanadisches Trio mit dem Bassisten Pierre Côté, ei-nem Weggefährten seit 15 Jahren, und dem Drummer Michel Lambert, der 2000 dazu stieß, ist hier erweitert um Mat Maneri mit seiner Vierteltonbratsche und der Sitar & Sanza von Uwe Neumann, einem 1963 in Nürnberg geborenen Indienfahrer mit Wohnsitz Montreal. Den Siddharta-Weg beschritten Jazzer schon von Coltrane über Harriot und Mariano bis McLaughlin. Carrier vermeidet jedoch die einschlägigen Exotikklischees. Ihn scheinen inerster Linie nichtwestlich temperierte Skalen und das Freiland der Mikrotonalität zu faszinieren. Zum Glück klingt die so inspirierte Musik dann nicht so aufgeblasen wie sein geschwafelter Dank „to Life, to All, to the Universe.“ Im Gegenteil, sein versonnen-melodiöser, meist leicht ‚angeschrägter‘ Sound und der von Sitar oder Sanza orientalisch angetwangte Groove definieren lediglich Jazz als die Weltmusik, die sie genuin ist.  Dem mit langem Atem zum Schweben gebrachten Zauberteppich fehlte nur die Viola von Maneri, die allem, womit sie in Berührung kommt, die ganz besondere Note auftupft. Eine seltene Katzenjämmerlichkeit, die sich in keiner bestimmten Himmelsrichtung verorten lässt. Der wehe Saitenklang, die zartbitteren Vibrationen zwischen Lachen und Weinen, stehen vielmehr für einen universalen Blues, den Folklore anstimmt, wenn die Beine zu müde sind, um die Conditio Humana zu übertanzen.


Bad Alchemy Magazin - no. 50

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